Titanic auf Marimbisch

Cooles Geklöngel: Der 16-jährige Thembani Mnyapa aus dem Township Philippi ist verrückt nach Marimba. Selbst nachts klimpert es in seinen Träumen. Mit dem afrikanischen Instrument würde er am liebsten durch die Welt reisen.

 

Irgendwie klingt es nach Kreuzfahrtschiff und Karibik, dieses Geklingel im Modus einer seichten Unterhaltungsmelodie. Und dennoch kann sich niemand dem Rhythmus entziehen, wenn die Spieler auf ihre Instrumente trommeln.

In einem Halbkreis stehen fünf Kinder und Jugendliche und schlagen mit ihren Holzklöppeln auf ein xylophonartiges Instrument mit Holzplatten ein – Marimbas. Ganz vorn in der Mitte steht Thembani. Mit seiner Marimba gibt der 16-jährige Südafrikaner die Hauptmelodie vor. „In the Jungle“ schallt durch die Hütte, es ist ein Favorit der jungen Musikkombo.

Gangs an jeder Ecke

An der Wand hängen unterschiedliche Platten, Holzbeschläge für die Xylophone, hin und wieder hüpft ein anderes Kind an die Instrumente und wippt mit den Füßen. Inmitten eines Townships in Kapstadt, wo die Straßen vom südafrikanischen Wind mit Staub und Sand verdeckt und Ziegenköpfe auf improvisierten Grillständen schmoren. Hier ist Thembani aufgewachsen. Seine Eltern wanderten aus dem ärmeren Landesteil Eastern Cape ab, um in Kapstadt ein besseres Leben zu finden.

Thembani Mnyapa: Verrückt nach Marimba (Foto: BuzzingCities.com)
Thembani Mnyapa: Verrückt nach Marimba (Foto: BuzzingCities.com)

Doch in seinem Viertel gibt es an jeder Ecke Gangs. „Schon mit 13 Jahren bilden sich in der Schule kleinere Gruppen, die sich gegenseitig beleidigen und angreifen, anfangen sich mit Stiften zu piesacken“, erzählt Thembani. In seinem Township kann er sich nicht überall frei bewegen. „Wenn ich in eine Gegend gehe, die ich nicht kenne, denken sie dort ich wäre selbst ein Gangster.“ Das ist gefährlich für ihn.

Marimba statt Messer

Doch anstatt wie andere Jugendliche der Kriminalität zu verfallen, hat Thembani in der Schule seine Leidenschaft entdeckt: Marimba. „Als ich neun Jahre alt war, wollte ich unbedingt anfangen, doch mein Lehrer fand mich zu jung“, sagt Thembani.

Mit zehn Jahren schaffte er es dann doch. Mit den Instrumenten in der Schule erlernte Thembani seine ersten Melodien. Seit drei Jahren spielt er nun in der Marimbagruppe eines deutschen Gemeindezentrums im Township. Neben unterschiedlichen Marimbas beherrscht er auch Congas und Djembetrommeln.

Marimba: Afrikanische Percussion (Foto: Buzzingcities.com)
Marimba: Afrikanische Percussion (Foto: Buzzingcities.com)

Sound der Kalebassen

Die Marimba stammt ursprünglich aus Afrika, ein xylophonartiges Percussion-Instrument, das aus Holzklangplatten besteht, an deren Unterseite meist röhrenförmige Resonanzkörper hängen. Über die Jahre wurden diese ursprünglichen Kalebassen-Klangkörper durch Holz- und Bambusrohre, manchmal sogar durch Metallrohre ersetzt.

Marimbas sind sehr populär in Lateinamerika, wohin sie mit den Sklavenströmen aus Afrika gelangt sind. Auch in Europa hat sich die Marimba in einige bekannte Songs eingeschlichten – etwa in MIAs Hit “Tanz der Moleküle”. In den südafrikanischen Townships spielen Marimba-Bands oft internationale Hits für Touristen – wie „Titanic“ oder „Rivers of Babylon“.

Auch Thembani hat mit seiner Kombo schon Konzerte bei Festivals gegeben. „Ich liebe Musik“, sagt Thembani, „ich träume sogar davon“. Nach der Schule möchte er gern professionell mit Musik arbeiten, am liebsten Toningenieur werden. Sein Traum: durch die Welt reisen und Marimba spielen.




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