Townships: Das Erbe der Apartheid

Während der Apartheid in Südafrika wurden die Wohngebiete nach Hautfarbe festgelegt – heute sind die mehrheitlich “schwarzen” Townships zum Synonym für urbane Problembezirke geworden. Ihre Bewohner versuchen den Spagat zwischen Überleben und Lebensfreude.

Schwarz, weiß oder coloured, “farbig”: Der Group Areas Act von 1950 forderte separate Wohngebiete für Südafrikas Bevölkerung. Unter der südafrikanischen Apartheidsregierung wurde die “farbige” und schwarze Bevölkerung in Gebiete am Rand der Stadtzentren abgeschoben.

Überlebenskampf und Überlebensfreude in den Townships: Seit der Apartheid hat sich einiges getan - aber nicht genug. (Foto: BuzzingCities/Sonja Peteranderl)
Überlebenskampf und Überlebensfreude in den Townships: Seit der Apartheid hat sich einiges getan – aber nicht genug. (Foto: BuzzingCities/Sonja Peteranderl)

An den äußeren Rändern siedelten sich Schwarze an, die nicht einmal dort erwünscht waren – allerdings als Arbeiter für die Weißen gebraucht wurden. Dass sie sich langfristig niederlassen war nicht vorgesehen, so dass die Männer, deren Familien oft erst nach und nach folgten, lange in ewig-temporären Shacks leben mussten.

Entstehung von Ghettos

Die rassistische Städteplanung und strukturelle Benachteiligung hat zur Entstehung von riesigen Ghettos, den Townships, geführt, in denen Arbeitslosigkeit, Kriminalität, der teils eingeschränkte Zugang zu Wasser, Strom und Bildung, die Bewohner der Townships bis heute vor Herausforderungen stellt. Vieles hat sich zwar getan – aber nicht genug.

In Kapstadt, wo die Rassentrennung in den 1980er Jahren zu 95 Prozent erfüllt war, bemisst sich der soziale Status oft bis heute daran, wie weit jemand vom Tafelberg, dem Bergmassiv, um den sich das Zentrum windet, entfernt wohnt.

Cape Flats: Horizont voller Shacks und Mini-Häuser

In den “Cape Flats”, dem staubigen Areal voller Townships südöstlich von Kapstadt, leben wohl mehr als zwei Millionen Menschen, mehr als die Hälfte der Stadtbevölkerung. Allein die größte Township von Kapstadt, Khayelitsha, soll Heimat von etwa eineinhalb Milllionen sein.

Doch so genau weiß niemand, wie viele Einwohner die Townships haben – und täglich strömen neue Einwanderer aus ärmeren Teilen Südafrikas wie dem Ostkap, aber auch Zuwanderer aus anderen afrikanischen Ländern wie Simbabwe oder Somalia in die Armensiedlungen.

Zwischen Überlebenskampf und Lebensfreude

Nicht nur schreckliche Armut, Kriminalität und Bretterbuden: Die Townships sind vielfältig – ein Mix aus Alt und Neu, Armen und Aufsteigern, Hoffungslosigkeit und Aufbruchsstimmung. In Khayelitsha gibt es etwa Viertel, in denen Neueinwanderer in Wellblechhütten hausen, Viertel voller kleiner von der Regierung gebauten Häusern, Neubausiedlungen, die Aufsteiger mit Baukrediten finanziert haben.

Manche wollen dem Township-Leben möglichst schnell entfliehen – andere können sich nicht vorstellen, auf ihre “Familie”, die oft das halbe Township umfasst, weil auch Freunde dazu zählen, den Gemeinschaftssinn und die spezielle Township-Atmosphäre zu verzichten.

Pampersgang: Zwischen Armut und Abenteuer (Foto: BuzzingCities)
Pampersgang: Zwischen Armut und Abenteuer (Foto: BuzzingCities/Sonja Peteranderl)

Geschichten aus den Townships

Auf BuzzingCities.com erzählen Menschen aus Townships wie Kayelitsha, Philippi oder Gugulethu wie sie den Alltag, die Veränderungen, auch den Einfluss der WM 2010 erleben, wie sie sich engagieren, was sie am Townshipleben hassen und lieben – und was sie sich für die Zukunft wünschen.

 

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