Kämpfen, um gehört zu werden

Mziwovuyo Qhingana, 23, alias Snarks Ou, ist Rapper aus Khayelitsha – und möchte die Kapstädter Township als internationale HipHop-Talentschmiede etablieren.

Nelson Mandela ist das Vorbild von Mziwovuyo Qhingana alias Snarks Ou – die Geschichte des ersten schwarzen Präsidenten Südafrikas bestärkt ihn, alles zu verfolgen, was er will. „Mandela hat für die Freiheit gekämpft“, sagt der junge Rapper aus der Kapstädter Township Khayelitsha, „ich kämpfe dafür, dass HipHop aus Khayelitsha im ganzen Land im Radio gespielt wird.“

Nachwuchsrapper Snarks Ou möchte Khayelitsha als HipHop-Talentschmiede positionieren (Foto: Snarks Ou)
Sharp: Nachwuchsrapper Snarks Ou möchte Khayelitsha als HipHop-Talentschmiede positionieren. (Foto: Snarks Ou)

Das sei ein schwieriges Ziel – doch gute Musik setze sich durch, glaubt Snarks Ou. Seit 2008 bastelt der 23-Jährige an seiner Karriere als HipHop-Star, inzwischen rotieren seine Tracks tatsächlich auf lokalen und nationalen Radiosendern.

Township-Talente: Viel Elan

„Khayelitsha ist nicht so schlecht, wie viele denken, die es nicht kennen“, sagt Snarks Ou. „Es ist ein cooler Ort mit so vielen Talenten.“ Leicht haben es die Jugendlichen aus der Township allerdings nicht, der Welt zu zeigen, was sie können – oft fehlen Technik, Erfahrung und Kontakte.

Snarks Ou findet, dass die Barrieren manchmal auch bestärken können: „Ich mag es, dass wir zwar keinen Zugang zu den Medien haben, aber deswegen umso härter daran arbeiten, dass Leute zu unseren Auftritten kommen und wir alles daran setzen, sie zu begeistern“, erklärt er. „Die Leute aus Khayelitsha haben Elan.“

Was ihm weniger gefällt: dass manche sich zurücklehnen und entspannen, sobald sie ein wenig Erfolg für sich verbuchen können: „Wenn der Ruhm vergeht, müssen sie wieder ganz von vorne anfangen.“

Songs für den Papierkorb

Snarks Ou, den Kwaito-Musiker dazu inspirierten, als Schüler selbst Musik zu machen, schmiss seine ersten Songtexte weg – weil er keine Möglichkeit sah, sie jemals zu produzieren.

Dann nahm er doch noch einen Anlauf, sparte sich neben der Schule die Produktion zweier Tracks zusammen. Da Kwaito, die selbstbewusste Musik der schwarzen Post-Apartheid-Generation in Kapstadt nicht besonders populär war, schaffte er den Durchbruch nicht, war demotiviert.

2008 schrieb Snarks Ou dann seinen ersten HipHop-Song: „Iyelenqe“ – der sofort in Kapstadt einschlug, aber auch außerhalb der Stadt Gehör fand. „Immer mehr Fans schrieben mich an, fragten, ob ich denn nicht noch mehr Tracks auf Lager hätte“, erinnert sich Snarks Ou. „Ich kratzte alles Geld für noch mehr Beats und Studioaufnahmen zusammen – und als ich ein bisschen bekannter wurde, lernte ich Produzenten kennen, die meine Tracks kostenlos produzierten.“

Zusammenarbeit mit HipHop-Größen

Inzwischen hat Snarks Ou sich sein erstes Album zusammengespart: „Iqala Kanja“, das in diesem Jahr erschien. Er hat viele Bühnenauftritte hinter sich, teils unbezahlt, um sich einen Namen zu machen.

Auch mit südafrikanischen Größen wie Tumi von Tumi & the Volume, DJ Ready D, Kanyi oder Teargas konnte Snarks Ou zusammen performen, einmal präsentierte er sich bei einer Talentshow des nationalen Fernsehsenders SABC 2. Es sieht gut aus für den Township-Rapper, der sich gerne noch öfter im Fernsehen sehen würde.

Freizeit hat Snarks Ou allerdings kaum. Er studiert Business Management und arbeitet in jeder freien Sekunde im Studio, um neue Songs zu produzieren – wenn er keine Auftritte hat.

Khayelitsha als HipHop-Hort

Mit seiner Musik möchte er jungen Südafrikanern vermitteln, dass es nicht darauf ankommt, woher sie kommen – sondern wie sie ihr Talent entfalten: „Wartet nicht, bis irgendjemand kommt, um euch zu helfen, wacht auf, kämpft für das, was ihr erreichen wollt“, sagt Snarks Ou. „Es kommt niemand auf euch zu, bis ihr euch selbst helft und an euch glaubt, dann werdet ihr auch Leute finden, die euch unterstützen.“

Mit den kleinen Einkünften, die Snarks Ou inzwischen aus seinen CD-Verkäufen erwirtschaftet, versucht er gerade ein eigenes, unabhängiges Record Label aufzubauen, um begabte Musiker aus Khayelitsha zu fördern.

Irgendwann, hofft er, soll Khayelitsha der ganzen Welt ein Begriff sein und für Talent und Kreativität stehen statt für Armut und Gewalt – so wie Soweto, die berühmten Townships aus Johannesburg, die immer wieder Musiker, Modemacher, Schauspieler hervorbringen und die mit Kwaito in der internationalen Musiklandschaft verortet sind.



Hier ist Snark Ous Track „Flip Side“ zu hören.




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